greenpeace magazin 4.09

Grünes Band

 

Vom Todesstreifen zur Lebensader

 

Wo sich Ost und West hinter 
martialischen Grenzanlagen 
belauerten, liegt heute ein 
innerdeutsches Naturparadies: 
Der ehemalige Grenzstreifen 
zwischen Ostsee und Vogtland 
ist nur 50 bis 200 Meter breit, 
dafür aber 1393 Kilometer lang. 
Ein Überblick von Katja Nündel.

1. Wakenitznitzniederung: In dem Flusstal brüten etwa 60 Vogelarten. Das 
seltene Braunkehlchen wurde hier wie an vielen anderen Stellen des Grünen Bandes so oft gesichtet, dass es inzwischen als Wappenvogel des Biotopverbundes gilt. Trotz Protesten quert heute eine Autobahn das Naturschutzgebiet.
      
2. Schaalseelandschaft: Die Grenze verlief mitten durch den See und schützte unter anderem seltene Fische, 
elf Fledermausarten und Rohrdommeln vor den Menschen.
   
3. Elbauen: In der urwüchsigen Flusslandschaft fühlen sich Fischotter, Biber, Störche und Wachtelkönige wohl. Zugvögel nutzen die Auen als Rastplatz.

 

4. Altmarkkreis: Im Salzwedeler Stadtforst brüten Kraniche. Und im Cheiner Torfmoor lebt zwischen Orchideen und Fröschen der seltene Torfwiesen-Scheckenfalter.

 

5. Niedersächsischer Drömling: Das große Moorgebiet 
bei Wolfsburg war durch intensive Landwirtschaft 
fast vertrocknet. Heute wird es aufwendig renaturiert.
  

6. Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn: Der ehemals größte Grenzübergang steht samt Stacheldraht und Wachtürmen unter Denkmalschutz.

 

7. Großes Bruch: Das Niedermoor ist zu beiden Seiten des Grünen Bandes trocken gelegt und umgeackert. Seltene Vögel wie der Steinkauz haben im ehemaligen Grenzstreifen ihr letztes Rückzugsgebiet. Doch Entwässerung und Landwirtschaft gefährden auch diese Moorreste.
 

8. Harz: Der Luchs ist zurück! Vor neun Jahren erstmals in Deutschland wieder ausgewildert haben die Raubkatzen inzwischen regelmäßig 
Nachwuchs. Das Grüne Band ist ihr Wanderweg zwischen dem Nationalpark Harz und anderen Lebensräumen.
       
9. Eichsfeld: Kurz nach der Wende wurden hier größere Teile des Grüngürtels umgeackert. Seltene Arten wie Schwarzkehlchen und Laubfrosch nutzen die verbliebene Natur als Zufluchtsort.

 

10. Rhön, Point Alpha: Von hier aus beobachteten die US-Streitkräfte die Truppen 
des Warschauer Pakts, um im Falle eines Angriffs Alarm zu schlagen. Heute ein Museum.
    

11. Thüringer Grabfeld: Heimat mehrerer Hundert Wanstschrecken, einer der letzten Populationen in Deutschland. Die Heuschrecke heißt nach ihrem dicken, grünen Bauch.
  

12. Modellregion Thüringer Wald/Schiefergebirge/Frankenwald: 
Das Bundesamt für Naturschutz fördert hier einen sanften Tourismus. Unter dem Titel „Erlebnis Grünes Band“ kann man Touren mit Biologen und Zeitzeugen oder Übernachtungen im ehe­mali­gen Sperrgebiet buchen. Weitere Modell­regionen sind der Harz und Elbe-Altmark-Wendland. 
www.erlebnisgruenesband.de

 

13. Mödlareuth: Das geteilte Dorf hieß früher auch „Little Berlin“. Die 700 Meter Mauer kann man heute noch besichtigen.



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